Sich in der Aare, im Rhein, in der Limmat oder in der Reuss treiben zu lassen, gehört für viele zum Schweizer Sommer. Die meisten Gefahren im Fluss siehst du: Brückenpfeiler, Steine, Äste, Boote. Eine der gefährlichsten Stellen sieht dagegen von oben harmlos aus. Es ist eine gerade Linie quer über den Fluss, hinter der das Wasser etwas schäumt. Das ist ein Wehr oder eine Schwelle, und dort darfst du auf keinen Fall hineingeraten.
Was ein Wehr mit dem Wasser macht
Ein Wehr ist ein Bauwerk, das den Fluss staut, etwa für ein Kraftwerk. Eine Schwelle ist eine niedrige Stufe im Flussbett, die die Sohle stabilisiert. In beiden Fällen fällt das Wasser über eine Kante. Unterhalb davon taucht es steil ab, strömt am Grund weiter und steigt ein Stück flussabwärts wieder auf. Ein Teil dieses Wassers fliesst an der Oberfläche zurück zur Kante. So entsteht eine Walze, die sich auf der Stelle dreht.
Wer in eine solche Walze gerät, wird nach unten gezogen, kommt kurz hoch und wird von der Rückströmung wieder zur Kante getragen. Das schäumende Wasser enthält viel Luft und trägt deshalb schlecht. Selbst sehr gute Schwimmer kommen aus eigener Kraft oft nicht mehr heraus. Fachleute nennen solche Stellen nicht umsonst Ertrinkungsmaschinen. Das Tückische daran: Schon eine Stufe von weniger als einem Meter kann genügen.
Wehr und Schwelle: weitertreiben oder aussteigen?
Bewege den Schalter und vergleiche, was vor einem Wehr passiert.
Warum du die Gefahr vom Wasser aus nicht siehst
Wenn du im Fluss treibst, sind deine Augen knapp über der Oberfläche. Eine Kante, über die das Wasser fällt, erscheint dir als waagrechter Strich, hinter dem der Fluss scheinbar einfach weitergeht. Oberhalb eines Wehrs ist das Wasser zudem oft ruhig und langsam, weil es gestaut ist. Es fühlt sich an wie ein See. Erst kurz vor der Kante zieht die Strömung an, und dann ist es für den Weg ans Ufer zu spät.
So schützt du dich
- Strecke vorher erkunden: Geh den Abschnitt zuerst zu Fuss am Ufer ab oder schau ihn dir auf der Karte an. Die Flussregeln der SLRG sagen es deutlich: Unbekannte Flussabschnitte müssen zuerst erkundet werden.
- Ausstieg festlegen: Bestimme vor dem Einsteigen, wo du aussteigst, und einen zweiten Ausstieg davor als Reserve.
- Signalisation ernst nehmen: Tafeln, Ketten mit Bojen und Hinweise auf den letzten Ausstieg stehen dort aus gutem Grund. In Bern etwa ist an der Aare vor dem Schwellenmätteli gut sichtbar markiert, wo du spätestens ans Ufer musst.
- Früh ans Ufer steuern: Beginne weit vor dem Ausstieg, schräg zur Strömung Richtung Ufer zu schwimmen. Die Strömung trägt dich weiter, als du denkst.
- Zu Fuss umgehen: Ein Wehr wird immer an Land umgangen, nie überschwommen und nie mit dem Gummiboot befahren.
Auch unterhalb des Wehrs Abstand halten
Die Walze zieht nicht nur von oben an. Wer unterhalb eines Wehrs badet und sich der schäumenden Zone nähert, wird von der Rückströmung an der Oberfläche zur Kante gezogen. Bei Kraftwerken kann sich der Wasserstand zudem rasch ändern, wenn Schleusen geöffnet werden. Bleib deshalb auch flussabwärts auf Distanz und beachte Absperrungen.
Wenn jemand anderes in die Walze gerät
Spring nicht hinterher. In der Walze brauchst du selbst Hilfe, und dann sind zwei Menschen in Not. Alarmiere sofort über die Nummer 112 oder die Polizei über 117 und gib den Ort so genau wie möglich an. Wirf vom Ufer aus etwas, das schwimmt, etwa einen Rettungsring, wenn einer in der Nähe hängt. Behalte die Person im Auge und zeige den Rettungskräften, wo du sie zuletzt gesehen hast.
Fazit
Flussschwimmen ist nur etwas für gute und geübte Schwimmer, und auch für sie gilt: Ein Wehr ist kein Hindernis, das man mit Kraft oder Mut überwindet. Die einzige sichere Technik ist, gar nicht erst hinzukommen. Kenne deine Strecke, kenne deinen Ausstieg und steig lieber hundert Meter zu früh aus als einen Meter zu spät.
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