Die letzten zwei Meter einer Länge sind die Stelle, an der viele Schwimmerinnen und Schwimmer ihre Technik vergessen. Der Kopf geht hoch, die Augen suchen die Wand, die Arme machen noch einen kleinen Verlegenheitszug, und der Körper bleibt einen halben Meter vor dem Ziel stehen. Das kostet jedes Mal Schwung und macht die nächste Länge unnötig streng. Ein sauberer Anschlag ist keine Sache für Wettkämpfer. Er ist eine Gewohnheit, die jede Länge runder macht.
Was vor der Wand schiefgeht
Das Problem ist die Distanz. Du kommst an und merkst: Für einen ganzen Armzug reicht der Platz nicht, zum Gleiten ist es scheinbar zu weit. Also machst du einen halben Zug. Der Arm taucht kurz vor dem Kopf ein, zieht ein Stück und muss dann doch noch nach vorne zur Wand. In dieser Zeit sinkt die Geschwindigkeit fast auf null.
Gleichzeitig hebt sich der Kopf, weil du die Wand sehen willst. Sobald der Kopf steigt, sinken Hüfte und Beine, und der Körper stellt sich schräg gegen das Wasser. Aus einer flachen Schwimmlage wird in einer Sekunde eine Bremse.
Anschlag: noch ein kurzer Zug oder strecken?
Bewege den Schalter und vergleiche die letzten Zentimeter vor der Wand.
Der saubere Anschlag in drei Punkten
- Letzten Zug zu Ende bringen: Mach den Armzug, den du begonnen hast, vollständig. Fang danach keinen neuen an, wenn die Wand näher ist als eine Armlänge plus ein Stück Gleiten.
- Arm strecken, auf die Seite drehen: Der vordere Arm bleibt lang, die Schulter schiebt sich nach vorne. Wenn du dich leicht auf die Seite des gestreckten Arms drehst, gewinnst du noch einmal ein paar Zentimeter Reichweite.
- Kopf unten, Beine arbeiten: Der Blick bleibt zum Boden gerichtet. Der Beinschlag läuft weiter, bis die Fingerspitzen die Wand berühren. Erst dann hebst du den Kopf.
Woher du weisst, wo die Wand ist
Du musst die Wand nicht ansehen, um sie zu finden. In den meisten Schweizer Hallenbädern endet die dunkle Bahnlinie am Boden mit einem Querbalken, einem T. Dieses T liegt rund zwei Meter vor der Wand. Wenn es unter deinem Kopf durchzieht, weisst du: noch ein Zug, dann strecken. Auch an der Wand selbst ist meistens ein Kreuz aufgemalt, das du mit gesenktem Kopf aus dem Augenwinkel siehst.
Beim Rückenschwimmen übernehmen die Fähnchen diese Aufgabe, die fünf Meter vor der Wand quer über dem Becken hängen. Zähle einmal, wie viele Armzüge du von den Fähnchen bis zur Wand brauchst. Diese Zahl bleibt erstaunlich konstant. Beim letzten Zug bleibt der Arm gestreckt hinter dem Kopf, damit die Hand vor dem Kopf ankommt.
Brust und Delfin: mit beiden Händen
Beim Brust- und Delfinschwimmen schlagen im Wettkampf beide Hände gleichzeitig an. Auch wenn du nie an einem Wettkampf startest, lohnt sich die Gewohnheit, weil sie dich zwingt, gestreckt in die Wand zu gleiten. Beim Brustschwimmen heisst das: Nach dem letzten Beinschlag bleibst du lang, die Hände zusammen, der Kopf zwischen den Armen. Fehlt ein Stück, machst du lieber noch einen Beinschlag als einen halben Armzug.
Zwei Übungen fürs Hallenbad
- Anschwimmen ab der Mitte: Starte in der Mitte der Bahn und schwimm zügig zur Wand. Ziel ist, mit gestrecktem Arm und ohne Bremsen anzukommen. Wiederhole das sechsmal und verändere jedes Mal leicht den Startpunkt, damit die Distanz nicht immer aufgeht.
- Züge zählen ab dem T: Merke dir, wie viele Züge du vom Querbalken am Boden bis zur Wand brauchst. Nach ein paar Längen kennst du deine Zahl und kannst den letzten Zug bewusst lang machen.
Rücksicht an der Wand
Im öffentlichen Schwimmen stehen an der Wand oft Leute, die Pause machen. Schlage in einer Ecke der Bahn an und rücke danach zur Seite, damit die nächste Person wenden kann. Wenn du selbst pausierst, lass die Mitte der Wand frei. Und schwimm nie mit voller Kraft blind in die Wand: Gestreckt ankommen heisst kontrolliert ankommen, nicht hineinkrachen.
Fazit
Ein guter Anschlag ist unspektakulär. Der letzte Zug wird fertig gemacht, der Arm bleibt lang, der Kopf bleibt unten, und die Beine schieben dich in die Wand. Orientiere dich am T am Boden statt mit erhobenem Kopf. Wer das bei jeder Länge so macht, schwimmt ruhiger, kommt entspannter an und hat den ersten Schritt zu einer flüssigen Wende schon gelernt.