Ein kurzer Tauchversuch, eine Rolle im Wasser oder der Wechsel von der Rücken- in die Bauchlage – und plötzlich brennt Wasser in der Nase. Viele Kinder und Erwachsene brechen die Übung dann sofort ab. Manche halten fortan bei jedem Untertauchen die Nase zu. Das schafft kurzfristig Sicherheit, blockiert aber eine Hand und macht spätere Bewegungen schwieriger.
Die bessere Lösung ist nicht, möglichst kräftig Luft herauszupressen. Meist genügt ein sanfter, gleichmässiger Luftstrom durch die Nase. Er hilft besonders dann, wenn sich die Kopfposition verändert und die Nasenöffnungen zeitweise nach oben zeigen – etwa beim Purzelbaum, beim Abrollen oder beim Übergang in die Rückenlage.
Warum Wasser überhaupt in die Nase gelangt
Beim ruhigen Untertauchen kann der Körper den Nasen-Rachen-Raum oft gut abschirmen. Für Einsteiger ist dieses Gefühl aber ungewohnt. Wird der Kopf schnell gedreht, wird erschrocken eingeatmet oder bleibt die Nase nach oben gerichtet, kann Wasser eindringen. Das ist unangenehm, aber zunächst vor allem ein Koordinationsproblem zwischen Kopfhaltung und Atmung.
Wer darauf mit einem explosiven Ausatmen reagiert, verbraucht die Luftreserve zu schnell. Danach entsteht Hektik und der Kopf wird ruckartig angehoben. Ziel ist deshalb ein feines Blubbern: gerade genug Luft, um einen leichten Strom nach aussen zu erzeugen, aber nicht so viel, dass nach einer Sekunde alle Luft weg ist.
Nase zuhalten oder sanft ausatmen?
Schalte um und vergleiche: Was verändert sich, wenn die Hand frei bleibt?
So übst du das Nasenausatmen ohne Stress
Beginne im standtiefen Wasser. Atme über Wasser normal ein, tauche nur Mund und Nase ein und summe leise. Beim Summen strömt Luft automatisch durch die Nase. Nach ein bis zwei Sekunden hebst du das Gesicht wieder an und atmest normal weiter. Wiederhole das mehrmals, ohne die Tauchzeit zu verlängern.
Danach kannst du die Hände vom Gesicht wegnehmen und unter Wasser beobachten, ob kleine Blasen an der Nase aufsteigen. Eine Schwimmbrille kann helfen, weil du die Augen offen hältst und dich besser orientierst. Eine Nasenklammer kann bei grosser Unsicherheit vorübergehend eingesetzt werden, sollte aber nicht jede Wassergewöhnungsübung ersetzen.
Von der einfachen Blase zur Bewegung
Wenn das Ausatmen mit ruhigem Kopf gelingt, kommt Bewegung dazu. Nicke unter Wasser langsam nach unten und wieder nach oben. Drehe anschliessend den Kopf leicht zur Seite. Erst danach folgen anspruchsvollere Aufgaben wie Abrollen, Purzelbaum oder ein Wechsel zwischen Bauch- und Rückenlage. Bei jeder neuen Übung bleibt die Bewegungsstrecke zunächst klein.
Im Schweizer Testwesen ist diese Fähigkeit gut sichtbar verankert. Swiss Aquatics verlangt bereits auf einer frühen Lernstufe mehrmaliges sichtbares Ausatmen unter Wasser. Beim swimsports-Grundlagentest Pinguin wird beim Handstand mit Abrollen oder beim Purzelbaum ausdrücklich durch die Nase ausgeatmet. Das zeigt: Nasenausatmen ist keine Nebensache, sondern eine praktische Grundlage für Orientierung und Bewegungsfreiheit.
Typische Fehler
Der häufigste Fehler ist ein einziger kräftiger Luftstoss. Besser ist ein feiner, dosierter Strom. Ebenfalls ungünstig ist es, vor dem Untertauchen übermässig tief einzuatmen und dann möglichst lange unten zu bleiben. Wassergewöhnung ist kein Luftanhalte-Wettbewerb. Kurze Wiederholungen mit normaler Atmung sind für Einsteiger sinnvoller.
Auch Druck von aussen hilft selten. Ein Kind sollte nicht überraschend untergetaucht werden. Erwachsene dürfen eine Übung jederzeit vereinfachen: zuerst nur die Nase benetzen, dann Mund und Nase eintauchen, später den ganzen Kopf. Gute Schwimmkurse in Schweizer Hallenbädern bauen solche Schritte methodisch auf und geben genügend Zeit für Wiederholungen.
Wann du eine Pause machen solltest
Leichtes Brennen nach einem missglückten Versuch klingt meist rasch ab. Bei anhaltenden Schmerzen, häufigem Nasenbluten, Problemen mit den Nebenhöhlen oder Beschwerden nach jedem Badbesuch ist eine medizinische Abklärung sinnvoll. Übe nicht mit stark verstopfter Nase und erzwinge keine Druckausgleichsmanöver.
Das Ziel ist nicht, nie mehr einen Tropfen Wasser zu spüren. Du lernst vielmehr, bei einer Drehung ruhig zu bleiben, sanft auszuatmen und die Hände für Gleichgewicht, Orientierung und Schwimmbewegungen frei zu haben. Mit kurzen Übungen wird aus dem unangenehmen Überraschungsmoment eine kontrollierbare Schwimmgrundlage.